Fredy, mein bester Freund.

Die ersten 24 Stunden:
Fredy schlug bei uns ein wie eine Bombe als er im Herbst 2010 bei uns einzog. Fredy hatte vor allem und jeden Angst, sogar vor seinem Schatten. Er hatte in seiner alten Heimat Griechenland wohl die letzten 18 Monate kein schönes Leben. Er kauerte in einen Eck in unserer Küche und ich neben ihm und überflutete ihn mit vorsichtigen Streicheleinheiten.  Irgendwann musste er ja mal raus und ich trug ihn vor die Tür. Es ging eine Zeit gut bis er sich aus dem Geschirr wandte und abhaute. Er war gerademal 4 Stunden bei mir.

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Nachdem ich eine gefühlte Ewigkeit vor dem dunklen Wingert stand und seinen Namen rief, kam er nach mehreren Versuchen doch mit mir nach Hause. Natürlich mit Sicherheitsabstand. Er hatte mehr Angst vor der dunklen Nacht und Umgebung als vor mir. Ein erster kleiner Schritt in Richtung Vertrauen zu mir, dem noch viele folgen sollten. Die Nacht verbrachte er allerdings bei 3 Grad auf dem Rasen, weil er sich nicht in die Wohnung traute.
Die Realität:
In den folgenden Tagen fasste er recht schnell Vertrauen in mich, Elvira und die Kid´s. Er war sehr auf mich fixiert, woran ich wohl auch etwas Schuld trug. Er begann damit zu jaulen wenn ich zur Arbeit ging. Was verständlicherweise in der Nachbarschaft seine Beliebtheit nicht steigerte. Überhaupt strapazierte er die Nerven von Elvira und den Kid´s. Er knabberte Schuhe an, Teppiche, Hundekissen, durchlöcherte mein Hobbyraumsofa, bellte Besucher an usw. Er veranstaltete Chaos wo er nur konnte. Ein gesundes Maß an Umweltmanagement (Sachen wegräumen, Kindergitter an der Treppe usw.) rückte alles wieder in einen erträglichen Bereich. Es war ihm aber nicht abzugewöhnen Elvira und die Kid´s anzuspringen und „anzuknabbern“. Ich kann den Dreien nur für ihr Verständnis danken.
Der Hundetrainer von dem Erziehungskurs den wir besuchten, gelangte auch an seine Grenzen und freute sich nach 11 Wochen wie ein kleines Kind darüber das Fredy nun endlich ein Leckerli aus seiner Hand nahm und einige Meter an der Leine mit ihm ging.
Meine Welt mit Fredy
Meine Welt mit Fredy war ganz anders, ich sah die Probleme nicht wirklich, wenn ich mit Fredy im Hobbyraum meine Freizeit mit Video schauen (Fredy mochte Martin Rütter auf der 2,5m Leinwand)  und Befehle und Tricks üben verbrachte. Sitz, Platz, Männchen, Pfödchen, Peng du bist Tod. Pfödchen lernte er in ca. 1,5 Stunden! Beim Männchen dauerte etwas länger. Ich reichte ihm am Anfang  immer meine Hand damit er sich mit einer Pfote abstützen konnte. Zum Schluss konnte er sich wunderbar mir seinem Schwanz abstützen und ausbalancieren.
Der letzte Tag:
Tja im Hobbyraum klappe alles wunderbar…
Ich wollte eine Reparatur an meinem Auto durchführen und ging noch mal in die Scheune um ein Kabel zu holen. Da hockte Fredy. Ich wollte ihn an der fest angebrachten Leine festmachen damit er mit mir nach draußen kann, wie so oft wenn ich im Garten etwas machte (hinter der Scheune gibt es keinen Zaun zur Straße). Weil es in der Scheune so dunkel ist, lies ich die Tür offen um etwas zu sehen. Fredy wischte mir beim anleinen durch die Beine, lief über den Rasen, durch die Hecke genau in den Transporter der gerade kam.
Abschied:
Ich sah seinen kleinen Körper über die Straße rollen bis er zum liegen kam. Ich kann in meiner Hand immer noch seine letzten Atemzüge spüren die er gemacht hat, ich sehe immer noch vor Augen wie sich sein kleiner Brustkorb zum letzten mal senkte. All diese Bilder habe ich täglich mehrmals vor Augen. Morgens aufstehen und ihn nicht mehr von ihm begrüßt zu werden, ihn zu füttern und Gassi gehen. Nach der Arbeit nicht mehr überschwänglich von ihm begrüßt zu werden, Abends nicht mehr mit ihm Gassi zu gehen, ihn beim Videoschauen nicht mehr bei mir zu spüren. Das alles tut richtig, richtig weh…
Das danach:
(schon) 24 Stunden nach seinem Tod meinte eine Kollegin ich sollte daran denken wer alles in den Tierheimen sitzt und auf ein Heim wartet. Ich schaute beiläufig bei Quoka rein. Ich glaube nicht an Übersinnliches, aber was dann passierte lässt mich zweifeln.
Ich fand einen Freddy (mit doppel D), er war fast so alt wie Fredy als ich ihn bekam, er war schwarz /weiß mit einer fast identischen Zeichnung, er war scheu, wie sich herausstellte kam er genau wie Fredy von Kreta. Auf einigen Bildern sah Freddy fast aus wie Fredy, obwohl sie sich vom Körperbau her unterschieden.
Das Heute:
Um es kurz zu machen… Freddy wohnt nun bei uns und hat wohl fast alle Herzen in der Familie erobert. Ich denke mittlerweile das es voll und ganz im Sinne von Fredy ist das wir in unserem Heim seinen Platz einer weiteren kleinen geschunden Seele gegeben haben.
P.S. Der Zaun hinter der Scheune ist gerade in Planung. Ich brauche noch das O.K. der Vermieterin, dann baue ich ihn im Urlaub. Das soll nie wieder passieren.

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